Planung einer Fotoreise in die Dolomiten
- Kevin Read

- 12. Sept.
- 6 Min. Lesezeit
Dieser Artikel ist Teil des Kompletten Leitfadens zur Fotografie in den Dolomiten

Die Dolomiten sind ein absolutes Traumziel für Fotografen – rund um diese Gipfel kannst du zahllose Routen planen und dabei das dichte Netz aus Wanderwegen, Straßen und Seilbahnen nutzen. In manchen Regionen macht es die Geografie leicht, eine Reiseroute zu erstellen, weil man der Landschaft einfach von Ort zu Ort folgt. In den Dolomiten ist das Fotografieren aber viel verstreuter, und es ist gar nicht so einfach, eine einzige Route zu finden, die zu jeder Reise passt.
Das Wichtigste ist: In den Dolomiten wird deine Fotografie immer von den aktuellen Bedingungen bestimmt – du musst deinen Plan ständig anpassen, um zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Wenn du deine Route zu starr planst, stehst du schnell zur falschen Zeit am falschen Spot und fotografierst Berggipfel in Wolken oder Alpenseen bei Wind.
Besser ist es, dir eine flexible Basis zu suchen und eine Liste mit möglichen Locations zu machen, die du je nach Wetter und Licht täglich neu auswählen kannst. In diesem Artikel erfährst du, wie du einen flexiblen Ansatz für deine Fotoreise entwickelst und deine Route unterwegs optimal gestaltest.
Basen | Recherche | Wettervorhersage | Tagesstruktur | Fazit
Fotografie-Basen in den Dolomiten

Ich empfehle, die Dolomiten in einen Ost- und einen Westteil zu unterteilen und jeweils eine Basis zu wählen, von der aus du die jeweilige Region erkunden kannst.
Im Osten der Dolomiten ist Cortina d’Ampezzo der ideale Ausgangspunkt. Von dort hast du in alle Richtungen tollen Zugang und kannst jeden Tag flexibel entscheiden, welche Location du im Osten besuchst.
Im Westen ist das Val Gardena (Grödnertal) rund um Ortisei (St. Ulrich) der beste Standort. Von hier erreichst du alle Highlights im Westen und kannst deine Tage optimal ans Wetter anpassen.
Wie du die Zeit zwischen Ost und West aufteilst, hängt von deinen Vorlieben ab. Hier ein grober Leitfaden, wie du planen kannst:
6–10 Tage – Bewährte Locations
Wenn du weniger als 10 Tage hast und die absoluten Fotografie-Highlights sehen willst, ist eine gleichmäßige Aufteilung zwischen Ost und West am sinnvollsten. In beiden Regionen gibt es bekannte Spots, die von Fotografen ausführlich erkundet wurden, und einige zentrale Orte sind sogar von beiden Seiten erreichbar. Mit einer ausgewogenen Aufteilung hast du mehr als genug spannende Motive für deine Reise.
Bei einer kürzeren Tour bleibt weniger Zeit zum Erkunden, und bei schlechtem Wetter hast du weniger Spielraum. Verpasst du einen tollen Spot, bekommst du auf dieser Reise vermutlich keine zweite Chance. Mit 10 Tagen bist du flexibler, kannst neue Locations entdecken oder Lieblingsorte noch einmal besuchen.
10+ Tage – Fotografie im Fokus
Mit mehr Zeit kannst du je nach Vorlieben entweder den Osten oder Westen stärker in den Fokus nehmen.
Der Osten eignet sich besonders für hochalpine Gipfel und anspruchsvollere Wanderungen. Hier solltest du eventuell mehr Zeit einplanen, falls das Wetter dich einschränkt oder du abgelegenere Orte erreichen willst. Das Gelände ist geprägt von tiefen Tälern zwischen steilen Felswänden und Bergen.
Im Westen erwarten dich ruhigere Alpentäler und längere Wanderungen, bei denen du die Landschaft intensiver erleben kannst. Hier findest du offenere Flächen zwischen den Gipfeln und entspannte Wanderungen von Rifugio zu Rifugio über weitläufige Wiesen.
Ich empfehle weiterhin, die Zeit etwa gleichmäßig zwischen Ost und West zu verteilen – aber natürlich kannst du mehr Zeit dort verbringen, wo dir die Landschaft besser gefällt.
10+ Tage – Entdeckung und Abenteuer
Wenn du Lust hast, neue und ungewöhnliche Locations zu entdecken, lohnt es sich, deine Zeit auf drei Basen aufzuteuschen – zum Beispiel inklusive San Martino di Castrozza und den südlichen Dolomiten.
Im Osten und Westen findest du immer wieder neue Fotospots und hast fantastische Möglichkeiten, neue Routen zu erkunden und originelle Kompositionen zu finden. Im Süden sind weniger Fotografen unterwegs, und oft findest du hier Wanderwege, die dich zu außergewöhnlichen Fotoplätzen führen.
Recherche zu Fotolocations in den Dolomiten

Um deine Route flexibel an das Wetter anpassen zu können, musst du deine fotografischen Möglichkeiten kennen. Es klingt zwar nach mehr Aufwand, als einfach eine feste Route zu planen – aber die beste Location für die jeweiligen Bedingungen zu finden, klappt nur, wenn du weißt, was alles möglich ist.
Je mehr Recherche du in deine Dolomiten-Reise steckst, desto wahrscheinlicher findest du den perfekten Spot fürs Licht und entdeckst auch neue, originelle Motive. Du kannst zwar zwei zentrale Unterkünfte im Osten und Westen wählen, ohne viel über Fotospots zu wissen – aber im nächsten Schritt solltest du eine Liste mit verschiedenen Orten machen, die von jeder Basis aus erreichbar sind.
Bei der Recherche ist es hilfreich, Logistik und Wetteranforderungen im Blick zu haben, damit du das Beste aus jedem Spot herausholst. Achte bei der Planung besonders auf:
Timing. Für jeden Spot ist der richtige Zeitpunkt entscheidend – abhängig vom Licht und von den Zugangsmöglichkeiten. Manche Locations funktionieren am besten bei Sonnenaufgang, Sonnenuntergang oder bewölktem Himmel – leg dir am besten eine eigene Liste für verschiedene Tageszeiten an. Hochgelegene Spots erreichst du vielleicht nur mit der Seilbahn oder einer langen Wanderung – da hilft es, die Route vorher zu kennen, wenn du zum Sonnenaufgang fotografieren willst.
Wandern. Viele Fotospots in den Dolomiten erfordern lange oder steile Wanderungen, und klare Morgen eignen sich perfekt für die anstrengenderen Touren vor Sonnenaufgang. Die Anforderungen der Wanderung können entscheidend sein, welchen Spot du an welchem Tag auswählst.
Energie. Planst du herausfordernde Wanderungen, schau auf den Wetterbericht und verteile die anstrengenden Tage. Zwei oder drei Touren vor Sonnenaufgang in der Höhe können ganz schön anstrengend sein und es schwerer machen, vor Ort kreativ zu bleiben.
Wettervorhersage für die Dolomiten

Um immer die beste Entscheidung zu treffen, wann du welche Location ansteuerst, solltest du dich regelmäßig über das aktuelle Wetter informieren.
Sobald du in den Dolomiten bist, schau dir die Wettervorhersagen für die nächsten 5–7 Tage an und such dir Zeitfenster für anspruchsvolle Wanderungen – und andere Tage, an denen Wolken und Regen die Gipfel verdecken könnten. Die Vorhersagen sind zwar erst 24 Stunden vorher wirklich genau, aber auch längerfristige Prognosen helfen dir, die grobe Struktur deiner Reise zu planen.
Aktualisiere deinen Plan täglich, wenn sich die Vorhersage ändert – und halte Ausschau nach Möglichkeiten, anspruchsvolle Locations zu besuchen oder die Bedingungen an wolkigen, windigen oder nassen Tagen kreativ zu nutzen. Eine gute Liste mit Optionen hilft dir, spontan das Beste aus jedem Tag herauszuholen.
Lokale Wetterberichte sind meist am zuverlässigsten. Es gibt aber auch spezielle Bergwetter-Dienste, die die Höhenunterschiede berücksichtigen. Ich nutze vor allem die App Clear Outside, die sehr übersichtlich die Wolkenbedeckung auf drei Höhenstufen anzeigt und es leichter macht, die Wolkenarten vorherzusagen.
Tagesstruktur für Fotografie in den Dolomiten

Der letzte Schritt für deine flexible Route ist es, eine Tagesstruktur für deine Reise zu entwickeln. Es ist zwar verlockend, einfach jeden Morgen loszuziehen und so lange dem Licht und Wetter zu folgen, bis die Energie nachlässt – aber eine durchdachte Struktur hilft dir, deine Zeit mit der Kamera optimal zu nutzen.
Eine gute Tagesstruktur richtet sich nach Jahreszeit und Licht. Im Spätherbst, wenn die Tage kürzer als 11 Stunden sind, kannst du Sonnenaufgang und Sonnenuntergang in einer Tour verbinden. Im Hochsommer musst du dagegen schon um 4 Uhr morgens vor Ort sein, und bis zum Sonnenuntergang um 21 Uhr durchzuhalten, ist wirklich fordernd.
Ein bewährter Ansatz ist, jeden Tag in Sessions zu unterteilen, die zur Jahreszeit deiner Reise passen:
Sonnenaufgang. Der Sonnenaufgang ist oft die beste Zeit, um die Dolomiten zu fotografieren, und sollte bei deiner Planung ganz oben stehen. Die meisten Bergspots funktionieren am besten im ersten Licht vor Sonnenaufgang – plane, etwa 90 Minuten vorher am Spot zu sein.
Nach-Sonnenaufgang-Session. Wenn das Licht nach Sonnenaufgang noch mitspielt, lohnt sich oft ein zweiter Spot, um das Beste aus dem Morgen herauszuholen. Ein Ortswechsel kann inspirierend sein und hilft dir, neue Motive zu entdecken, solange die Bedingungen stimmen.
Mittag. Passe deine Mittagszeit je nach Saison und Wetter an. Ist der Sonnenaufgang sehr früh, eignet sich der Mittag super zum Ausruhen und Kraft sammeln für die Abendrunde. Sind die Tage kürzer, kannst du oft den ganzen Tag fotografieren und einen Spot wählen, der zum Wetter passt. Offene Landschaften funktionieren gut bei aufgelockerter Bewölkung, geschützte Bereiche wie Wälder sind ideal bei hartem Licht oder bedecktem Himmel.
Nachmittag. Wenn am Nachmittag die Wolken aufreißen und Lichtstrahlen durchbrechen, kann diese Zeit genauso lohnend sein wie Sonnenaufgang oder -untergang. Nachmittage eignen sich toll, um neue Locations zu erkunden, bei den richtigen Bedingungen starke Bilder zu machen und weitere Spots für Sonnenaufgang oder -untergang zu entdecken.
Sonnenuntergang. Am besten bist du mindestens eine Stunde vor Sonnenuntergang vor Ort und nimmst dir Zeit, auch noch mindestens eine Stunde in der Dämmerung zu fotografieren. Je nach Saison kann das mit den Essenszeiten kollidieren – oft hilft es, das Abendessen nach dem besten Licht am Tagesende zu planen.
Planung einer Fotoreise in die Dolomiten

Für eine erfolgreiche Fotoreise in die Dolomiten brauchst du das perfekte Gleichgewicht zwischen Location, Licht und Wetter. Planst du deine Reise zu detailliert, wird es schwierig, spontan auf die Bedingungen zu reagieren und die passenden Spots fürs beste Licht zu besuchen. Recherchierst du zu wenig, weißt du vielleicht nicht, welcher Spot bei welchen Bedingungen am meisten hergibt.
Mit einer flexiblen Route, bei der du ein oder zwei Standorte als Basis wählst und täglich aus einer Liste die besten Spots auswählst, wird deine Dolomitenreise besonders lohnend. So holst du das Beste aus nassen oder bewölkten Tagen heraus und nutzt das schönste Licht an den spannendsten Orten.
Auf diesen Seiten findest du noch viele weitere Tipps zur Bergfotografie und zu Fotospots in den Dolomiten. Einen vollständigen Guide zur Dolomiten-Fotografie findest du in meinem Fotoreiseführer und auf der oben verlinkten Karte.



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