Fotografie-Tutorial: Spiegelungen einfangen im Torres-del-Paine-Nationalpark
- Kevin Read

- 21. Sept.
- 3 Min. Lesezeit
Dies ist eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, wie ich dieses Foto von Treibholz vor den Bergen im Torres-del-Paine-Nationalpark aufgenommen habe. Sie führt dich durch den gesamten Prozess - vom Finden der perfekten Komposition vor Ort bis hin zur finalen Bearbeitung des Bildes.

Torres del Paine ist ein unglaublicher Ort für Fotografie, und diese Komposition ist ein echter Klassiker: Die Berge spiegeln sich im Wasser und ein Stück Treibholz führt den Blick ins Bild hinein. Ich war gespannt, meine eigene Interpretation dieses Motivs zu fotografieren, während ich durch Chile reiste - und es hat ganze 10 Tage mit mehreren Besuchen am See gedauert, bis die Bedingungen endlich gepasst haben. So bin ich vorgegangen.
Vor Ort

Rund um den Torres-del-Paine-Nationalpark gibt es mehrere Spots, an denen du die Berge als Spiegelung im Wasser fotografieren kannst. Die Straße entlang des Ostufer des Lago Pehoe eignet sich jedoch am besten, um die gesamte Bergkette ins Bild zu bekommen - hier habe ich die meiste Zeit verbracht.
Ich musste sehr früh vor Ort sein, nicht nur wegen des schönsten Lichts, sondern auch, weil morgens die Luft am ruhigsten ist und das Wasser spiegelglatt daliegt. Immer wenn ich Spiegelungen fotografiere, versuche ich mindestens eine Stunde vor Sonnenaufgang am Spot zu sein, um meine Position zu wählen und das erste Licht der Dämmerung einzufangen.
Bei den meisten meiner Besuche war zumindest etwas Wind und Bewegung im Wasser; es hat über eine Woche mit mehreren Anläufen gebraucht, bis der See wirklich ruhig war und ich das Bild machen konnte, das ich im Kopf hatte.
Komposition

Um diese Komposition einzufangen, musste ich ein Gleichgewicht zwischen dem Treibholz im Vordergrund und den Bergen samt Spiegelung schaffen. Ich habe ein Weitwinkelobjektiv (15mm) verwendet und das Treibholz ganz nah an die Kamera gebracht, das Stativ tief positioniert und die Kamera leicht nach unten geneigt.
Da meine beiden Motive sehr unterschiedlich groß waren, habe ich viel Zeit damit verbracht, meine Position zu verändern und die Brennweite anzupassen, um das Treibholz und die Gipfel ausgewogen ins Bild zu setzen. War ich zu nah am Treibholz, wirkten die Berge zu klein und verloren an Präsenz. War ich zu weit weg, verschwand der Vordergrund und konnte sich nicht als eigenständiges Motiv behaupten.
Ein weiteres Problem: Treibholz schwimmt. Ich musste es also nah genug ans Ufer holen und auf ein paar Steinen ausbalancieren, damit es sich nicht bewegt (und nicht einfach davontreibt!).
Ich habe Kamera und Treibholz sorgfältig positioniert und dann das Rohbild mit einer Belichtungszeit von 0,8 Sekunden, Blende f/7.1 und ISO 250 aufgenommen. Die entscheidende Einstellung war die Blende, die ich zwischen f/7.1 und f/10 halten wollte, um maximale Schärfe im finalen Bild zu erzielen.

Bearbeitung
Das Rohbild aus der Kamera war sehr kontrastreich - der Vordergrund dunkel, der Himmel hell, und in beiden Bereichen wenig Details. In der Bearbeitung wollte ich Details und Farben aus der Szene herausarbeiten.

Ich habe mit globalen Anpassungen begonnen, die Tiefen aufgehellt und die Lichter abgedunkelt, um die Belichtung auszugleichen.

Als Nächstes habe ich gezielt den Himmel abgedunkelt, um die Farben des frühen Morgens wieder herauszuholen. So entstand eine ausgewogenere Belichtung, die meiner Wahrnehmung der Szene vor Ort entsprach - ohne zu dunkle oder zu helle Bereiche.

Zum Schluss habe ich einzelne Bereiche der Komposition bearbeitet, um die Bildbestandteile hervorzuheben und den Blick des Betrachters zu lenken. Den blauen Dunst auf den Bergen habe ich entfernt, damit sie als lebendiges Hauptmotiv herausstechen. Den Ast habe ich aufgehellt, um ihn als zweites Motiv zu betonen. Außerdem habe ich die Sättigung der roten Wolken reduziert, damit sie nicht ablenken. Rot ist eine so dominante Farbe, dass diese Änderung die gesamte Bildstimmung beeinflusst hat.

Fazit

Dieser Spot ist einer von mehreren entlang des Ostufer des Lago Pehoe im Torres del Paine - aber einer der besten für Spiegelungsfotos, weil das Ufer hier von einer Halbinsel geschützt wird und so eine Bucht mit ruhigem Wasser entsteht. Die Kamera möglichst tief und nah am Wasser zu positionieren, hilft, die Spiegelung besonders groß ins Bild zu bekommen.
Ich empfehle, dir selbst ein Stück Treibholz zu suchen und es in die Komposition einzubauen - auch wenn sich das erstmal wie ein Eingriff anfühlt. Falls du bei deiner Ankunft zufällig einen Ast im Wasser findest, ist es eher unwahrscheinlich, dass er dort natürlich angeschwemmt wurde - wahrscheinlich hat ihn ein anderer Fotograf platziert.
Karten-Links:
Hier findest du die genaue Stelle, an der ich dieses Bild aufgenommen habe, und hier gibt es kostenlose Parkmöglichkeiten.



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