Fotografie an der Búðakirkja: Der komplette Guide
- Kevin Read

- 26. Sept.
- 7 Min. Lesezeit
Dieser Artikel ist Teil des Komplettführers für Fotografie in Island

Die Schwarze Kirche von Búðir (Búðakirkja) ist einer der großartigsten Fotospots Islands – und es überrascht erst einmal, dass eine so kleine Kirche auf der Snæfellsnes-Halbinsel so berühmt geworden ist. Doch die offene Landschaft sowie die markanten Texturen und Farben der Kirche machen sie zu einem fantastischen Ort für Fotografie, und sie bietet dir eine tolle Gelegenheit, rund um ein schlichtes Motiv neue Kompositionen auszuprobieren.
Ich habe die Búðakirkja schon unter Nordlichtern und bei strömendem Regen fotografiert, mit schweren Wolken über mir oder bei klarem Himmel. Es gibt immer neue Blickwinkel zu entdecken, und gerade der Mangel an Abwechslung zwingt dich dazu, dir Gedanken zu machen, wie du die Kirche ins Bild setzt und aufnimmst.
In diesem Artikel zeige ich einige der Bilder, die ich an der Búðakirkja gemacht habe, und erkläre, wie du das Beste aus diesem ungewöhnlichen und abgelegenen Ort herausholen kannst. In Island gibt es viele interessante Kirchen, aber die meisten werden weit weniger fotografiert als diese hier. Die Búðakirkja hat aber wirklich etwas Besonderes an sich, und es lohnt sich, diesen Spot ausgiebig zu erkunden und Kompositions-Techniken zu entwickeln, die du auch an anderen Orten einsetzen kannst.
Inhalt
Kompositionen an der Búðakirkja finden
Karten-Links
(Öffnet in Google Maps)

Kartendaten von OpenStreetMap
1: Búðakirkja
2: Strand
A: Abzweigung zur Hauptstraße
Die Búðakirkja ist von einer niedrigen Steinmauer umgeben, die die Kirche und den Friedhof in einem langen, meist grasbewachsenen Feld einschließt. Jenseits der Mauer erstreckt sich im Osten und Süden eine offene Ebene bis zum Ozean, im Westen liegt ein altes Lavafeld und im Norden das bergige Zentrum der Snæfellsnes-Halbinsel. Alles ist sehr flach, und das Beste am Fotografieren der Búðakirkja ist die weite, offene Landschaft drumherum.
Du kannst die Kirche komplett umrunden, und sie steht so, dass aus den meisten Blickwinkeln nur dieses Gebäude auf deinem Foto zu sehen ist. Ein Parkplatz in der Nähe kann manchmal ins Bild geraten, aber das moderne Hotel, das Gäste der Kirche (hier finden Hochzeiten statt) beherbergt, ist gut am Fuße eines Hügels versteckt.

Es gibt keinen festen Spot oder eine Standard-Komposition; der Reiz der Búðakirkja liegt darin, sie aus allen Perspektiven zu erkunden, näher heranzugehen oder weiter zurückzutreten und mit verschiedenen Brennweiten zu experimentieren, um die Kirche ins Bild zu setzen.
Hinter dem Friedhof kannst du durch die umliegende Landschaft streifen, aber es gibt in diesem Gebiet nur wenige Pfade und keine besonderen Highlights zu entdecken. Du kannst von hier aus zum Ufer laufen, und im Osten gibt es einen kleinen Sandstrand, aber dieser Abschnitt ähnelt vielen anderen Teilen der Halbinsel – am besten konzentrierst du dich also auf die Kirche selbst.
Die beste Zeit, die Búðakirkja zu fotografieren

Du kannst die Búðakirkja das ganze Jahr über besuchen, und die Kirche ist normalerweise den ganzen Tag und Abend zugänglich, es sei denn, es findet gerade eine Veranstaltung statt – ich selbst habe dort allerdings noch nie eine Veranstaltung erlebt. Die Atmosphäre ändert sich mit den Jahreszeiten: Im Winter liegt Schnee, im Sommer ist alles grün, und im Herbst dominieren braune und gelbe Töne. Allerdings ist die schwarze Kirche so ein flexibles Motiv, dass du nicht auf eine bestimmte Jahreszeit angewiesen bist.
Du kannst die Búðakirkja auch zu jeder Tages- und Nachtzeit besuchen, und es gibt Scheinwerfer, die das Gebäude nach Einbruch der Dunkelheit beleuchten. Da du die Kirche von allen Seiten fotografieren kannst, kannst du selbst entscheiden, ob du zur Sonne hin oder von ihr weg fotografierst, zum Sonnenauf- oder -untergang kommst oder einfach mit dem Licht und Wetter arbeitest, das du gerade vorfindest. Es ist ein außergewöhnlich flexibler Fotospot, daher empfehle ich keine bestimmte Tageszeit oder Jahreszeit besonders.
Die Kirche ist nach Westen ausgerichtet, das heißt, die Sonne geht am Morgen meist im Bild auf und abends hinter dir unter – zumindest, wenn du die Kirche von vorne fotografierst. Aus anderen Perspektiven kannst du mit Licht aus jeder Richtung arbeiten.
Bestes Licht und Wetter für die Búðakirkja

Die Búðakirkja ist auch deshalb so bekannt geworden, weil sie bei unterschiedlichsten Bedingungen funktioniert und der starke Minimalismus der schwarzen Kirche in der offenen Umgebung einfach wirkt. Allerdings hängt das Wetter, das du an der Búðakirkja bevorzugst, vielleicht von deinem Fotostil ab.
Wenn du oft eine düstere, dunklere Atmosphäre in deinen Bildern suchst, funktioniert die Búðakirkja besonders gut mit schweren, strukturierten Wolken oder bei Nässe. Das schwarz-weiße Erscheinungsbild der Kirche hebt sich unter einem bedeckten Himmel besonders ab, da wenig Farbe in der Szene von den Tonwerten und Kontrasten ablenkt. Das ist zwar kein häufiges Thema in meiner Fotografie, aber ich mag die Búðakirkja trotzdem am liebsten an regnerischen Tagen.
Wenn du dramatischere Bedingungen bevorzugst, kannst du die Búðakirkja bei Sonnenauf- oder -untergang fotografieren und dabei deine Position und Komposition an das Licht und die Farben am Himmel anpassen. Die schlichten schwarzen Wände der Kirche fangen das Licht kaum ein, daher finde ich, dass es bessere Orte für einen besonders farbenfrohen Sonnenauf- oder -untergang gibt. Aber wenn die Sonne im richtigen Winkel steht, kannst du schöne Details im Holz herausarbeiten.
Nachts ist dies ein fantastischer Spot für Nordlicht-Fotografie, besonders für Einsteiger. Die offene Landschaft ermöglicht es dir, um die Kirche herumzugehen und Kompositionen mit verschiedenen Himmelsabschnitten zu gestalten, sodass du dich dem Polarlicht anpassen kannst, egal wo es auftaucht. Die hellen Scheinwerfer machen das Fotografieren der Kirche nachts technisch etwas anspruchsvoller, aber du kannst sie auch nutzen, um deine Belichtung auszugleichen und tolle Details im Vordergrund herauszuholen.
Anreise und Orientierung an der Búðakirkja

Die Búðakirkja ist extrem einfach zu erreichen, sie liegt an einer kurzen Stichstraße, weniger als 3 km von der Hauptstraße rund um die Snæfellsnes-Halbinsel entfernt. In der Nähe gibt es ein Hotel, das Hochzeiten und Veranstaltungen an der Búðakirkja ausrichtet, aber für private Besuche gibt es keine Einschränkungen oder Tickets. Die Straße ist im Winter meist geräumt und das ganze Jahr über gut befahrbar.
Es gibt zwei Parkplätze – einen beim Hotel und einen direkt an der Kirche. Das Hotel ist nur einen Katzensprung entfernt, aber wenn keine Veranstaltung stattfindet, ist es am besten, direkt an der Kirche zu parken und die Hotelplätze den Gästen zu überlassen.
Die Mauer um die Kirche ist etwa 250 Meter lang, und du kannst sie in wenigen Minuten komplett umrunden. Es gibt ein paar Pfade, die nach Osten zum Strand oder nach Westen zum Lavafeld führen, aber du musst dich für die besten Fotomöglichkeiten nicht weit von der Kirche entfernen.
Wie in vielen alten isländischen Landschaften ist das Moos und die Vegetation empfindlich, aber du musst die vorhandenen Wege nicht verlassen, um jeden gewünschten Blickwinkel an der Búðakirkja zu finden. Das Einzige, woran du denken solltest, ist das Tor zu schließen, wenn du herumläufst.
Fotografie-Tipps für die Búðakirkja

Die Búðakirkja ist ein großartiger Ort für kreative Fotografie: Es gibt ein Hauptmotiv, das du im Detail erkunden kannst, und genug Nebenschauplätze für Abwechslung. Mein Lieblingsansatz ist es, die komplette Bandbreite an Brennweiten zu nutzen, von Ultraweitwinkel bis Tele, und mit Kompositionen aus verschiedensten Positionen rund um die Kirche zu experimentieren. Wandern musst du hier nicht, also musst du bei der Ausrüstung keine Kompromisse machen. Wenn du an einem hellen Tag vor Ort bist, empfehle ich, das Stativ erstmal im Rucksack zu lassen und die Location für verschiedene Kompositionen zu erkunden, bevor du dich auf einen finalen Spot festlegst.
Wie lange du an der Búðakirkja verbringen möchtest, hängt davon ab, was du aus dem Besuch machen willst. Du kannst die Kirche umrunden und von fast allen Positionen in weniger als dreißig Minuten Fotos machen, also lohnt sich die Búðakirkja auch für einen kurzen Stopp. Wenn du Lust hast, an deiner Fotografie zu feilen und Ideen auszuprobieren, kannst du hier aber auch problemlos mehrere Stunden verbringen und den Ort in der Tiefe erkunden.
Wenn du auf der Snæfellsnes-Halbinsel übernachtest, ist die Búðakirkja ein fantastischer Spot für wiederholte Besuche, bei denen du neue Möglichkeiten bei unterschiedlichem Licht und Wetter entdecken kannst. Sie liegt direkt an der Hauptstraße und das Parken ist einfach – ich nutze diesen Ort immer als eine Art Ankerpunkt für meine Snæfellsnes-Besuche, sodass ich ganz unkompliziert vorbeischauen kann, wenn sich das Licht ändert.
Fotospots in der Nähe von Búðir

Die Snæfellsnes-Halbinsel ist ein toller Ort für Fotografie und ein sehr beliebtes Ziel für Island-Besucher. Viele Landschaften sind bekannt und oft fotografiert, doch große Teile der Halbinsel werden immer noch übersehen.
Viele kommen, um den markanten Berg Kirkjufell mit seinen Wasserfällen im Vordergrund zu sehen. Dieser Spot liegt nur etwa dreißig Autominuten von Búðir entfernt an der gegenüberliegenden (nördlichen) Küste der Halbinsel. Viele Fotografen setzen diese beiden Orte bei kurzen Trips ganz oben auf die Liste, bevor sie weiter an die Südküste fahren.
Doch Snæfellsnes ist voller Wasserfälle, Strände und Berge und damit perfekt, um nach ungewöhnlicheren Motiven zu suchen. Die Klippen bei Lóndrangar bieten beeindruckende Felsformationen und einen Leuchtturm im markanten Stil der Mitte des 20. Jahrhunderts. Eine weitere tolle Kirche kannst du bei Ingjaldshólskirkja fotografieren, die von Sommerblumen umgeben besonders eindrucksvoll aussieht. Am Strand von Ytri-Tunga liegen manchmal viele Seehunde, und er ist extrem leicht zu finden und zu erreichen.
Wenn du es lieber entspannt und mit mehr Tiefgang angehst, empfehle ich, mehrere Tage auf der Snæfellsnes-Halbinsel zu verbringen, immer wieder zur Búðakirkja zurückzukehren und dabei den Großteil deiner Zeit mit der Erkundung der weiten Landschaft und neuer Ideen zu verbringen.
Fazit

Die schwarze Kirche bei Búðir ist mein Lieblingsplatz, um atmosphärische Fotografie in Island zu üben, und ich werde immer wieder dorthin gezogen, wenn ich durch diese Gegend reise. Die offene Landschaft bietet viel Flexibilität, während die begrenzte Farb- und Formenpalette das Motiv perfekt für minimalistische und geometrische Kompositionen macht.
Die Búðakirkja ist ein berühmter Spot, und nach Jahren intensiver Beschäftigung durch Fotografen und Besucher dürfte wohl jeder mögliche Blickwinkel schon mal eingefangen worden sein. Trotzdem ist es eine tolle Übung, nach neuen Perspektiven zu suchen und mit verschiedenen Brennweiten zu experimentieren, und ein wunderschöner Ort, um an der eigenen Bildgestaltung zu feilen.
Sie ist leicht zu erreichen und sieht bei jedem Wetter toll aus, ideal also für wiederholte Besuche und um bei wechselndem Licht neue Varianten zu entdecken. Wenn du auf Snæfellsnes übernachtest, ist die Búðakirkja der perfekte Ankerpunkt und gibt dir die Freiheit, bei jedem Wetter- oder Lichtwechsel neue Bilder zu machen.
Über den Autor

Ich bin Kevin Read, Fotograf und Reiseautor mit der Mission, anderen dabei zu helfen, neue Orte zu entdecken und ihre Fotografie zu verbessern. Ich schreibe Fotografie-Guides und veröffentliche ein kostenloses, monatliches Magazin namens In The Frame.



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